Druckluft: Optimierung vom Verbraucher bis zum Kompressor
Die Versorgung mit Druckluft gehört zu einer Selbstverständlichkeit in Industrie und Gewerbe. Die ca. 62.000 bundesweit installierten Druckluftanlagen verbrauchen jährlich rund 14 Milliarden kWh Strom.
Die in der komprimierten Luft gespeicherte Energie wird in fast jedem Unternehmen erzeugt und vielfältig eingesetzt. Die Drucklufttechnik hat sich damit zu einer weit verbreiteten Querschnittstechnologie entwickelt.
Bei Druckluftanlagen können zwischen 5 und 50 % Energie eingespart werden, wobei die meisten Effizienzmaßnahmen mit Amortisationszeiten von weniger als zwei Jahren wirtschaftlich sehr attraktiv für die Unternehmen sind. Um diese Potenziale zu erschließen, müssen Bewusstsein und Know-how zur systemorientierten Optimierung von Druckluftanlagen in den Betrieben weiter wachsen.
Detaillierte Informationen zu energieeffizienten Druckluftsystemen finden Sie auch in unserem Ratgeber "Druckluftsysteme für Industrie und Gewerbe".
Der Rohstoff Luft steht zwar allen Unternehmen kostenlos und in unbegrenzter Menge zur Verfügung steht. Dennoch ist die Druckluftnutzung mit beträchtlichen Kosten verbunden, die auf den verschiedenen Wegstationen zur Druckluft-Anwendung entstehen. Obwohl diese Tatsache allen Unternehmen, die mit Druckluft arbeiten, qualitativ bekannt ist, wird nur selten systematisch untersucht, wie hoch diese Kosten tatsächlich sind, wie sie zustande kommen und wie sie sich reduzieren lassen.
Maßnahmen, die an einer Stelle Kosten reduzieren, führen oft an anderer Stelle zu einer Kostenerhöhung. Durch eine Fokussierung auf lediglich ein oder zwei Kostenarten wird man daher nur in seltenen Fällen das betriebswirtschaftliche Optimum finden. Wenn ein Druckluftsystem optimiert werden oder bei einem Neubau die Entscheidung für ein kostenoptimales Druckluftsystem getroffen werden soll, ist es sinnvoll, Entscheidungsmethoden zu verwenden, die alle Kostenarten berücksichtigen.
Druckluft ist ein vielseitig verwendbarer Betriebsstoff, der in den meisten produzierenden Unternehmen mit großer Selbstverständlichkeit eingesetzt wird.
Die Vorteile von Druckluftanwendungen liegen in der Gefahrlosigkeit dieses Energieträgers, der Schnelligkeit und Präzision von Druckluftantrieben und der hohen Kraft bei gleichzeitig geringem Gewicht von Druckluftwerkzeugen.
Als Nachteile stehen dem deutlich höhere Energiekosten und eine aufwendigere und weniger flexible Energieverteilung als bei elektrischen Anwendungen gegenüber.

- Eigenschaften von Druckluftsystemen und die verschiedenen Betrachtungsebenen
Zur Erschließung von Optimierungsmöglichkeiten ist es sinnvoll, sich die Eigenschaften von Druckluft und die Vorgänge in Druckluftsystemen etwas genauer anzuschauen.
Wichtig ist dabei das Wissen, dass die beschriebenen Zusammenhänge keine voneinander getrennten Sachverhalte darstellen, sondern sich gegenseitig bedingen. Eine Optimierung kann nur unter Beachtung der Erkenntnisse aus allen Disziplinen erreicht werden.

- Verdichterbauarten
Obwohl der Rohstoff Luft den Unternehmen unbegrenzt und kostenlos zur Verfügung steht, schlägt das Medium Druckluft mit Kosten von etwa 1,5 bis 3 Cent pro Kubikmeter zu Buche. Die vielfältigen Vorteile, die Druckluftantriebe und –werkzeuge bieten, wiegen diese relativ hohen Kosten auf. Trotzdem lohnt es sich, die Prozesskette zwischen Ansaugtrichter und Werkzeug, welche diese Kosten verursacht, anzuschauen und nach Optimierungsmöglichkeiten zu suchen.

- Bohrmaschine mit Wartungseinheit und Zuleitung
An vielen industriellen und gewerblichen Arbeitsplätzen wird Druckluft als Antrieb für Handwerkzeuge genutzt. Druckluft ist als Energieträger teurer als elektrische Energie. Trotzdem bringt der Einsatz von Druckluft an vielen Stellen Kostenvorteile. Dies ist z.B. in explosionsgeschützten Bereichen der Fall, wo elektrische Antriebe gar nicht oder nur mit hohem Sicherungsaufwand einsetzbar wären.
Ein weiterer Vorteil ist der einfache und robuste Aufbau der Druckluftantriebe, der neben geringeren Anschaffungskosten im Vergleich zu gleichwertigen Elektrowerkzeugen auch geringere Instandhaltungskosten bewirkt. Der wesentliche Vorteil von Druckluftantrieben in Handwerkzeugen ist aber, dass sich damit eine hohe Energiedichte bei geringem Werkzeuggewicht realisieren lässt. Dies führt zu einer deutlich höheren Produktivität als dies mit elektrischen Werkzeugen möglich wäre.

- Regelung und Steuerung von Druckluftanlagen
Regel- und Steuervorrichtungen in einer Druckluftanlage sorgen dafür, dass die Druckluft immer in ausreichender Menge und Qualität und auf dem richtigen Druckniveau zur Verfügung steht. Übergeordnete Steuerungen können darüber hinaus den Prozess noch so optimieren, dass dabei möglichst geringe Kosten entstehen.

- Wärmeübertrager mit integriertem Kondensatabscheider (Demister)
Die Aufbereitung der komprimierten Luft dient der Sicherung der Produktqualität, der Schonung von Werkzeugen und Anlagen sowie der Gewährleistung von Umwelt- und Arbeitsplatzsicherheit.
Luft kann eine Vielzahl von Stoffen enthalten, die ab einer gewissen Konzentration Schäden verursachen können. Typische „Schadstoffe“ in diesem Sinne sind:
- Feuchtigkeit (Wasser)
- Öl
- Staub
- Keime
- Salzkristalle
- Sonstige Luftschadstoffe.
Die Verteilung der Druckluft, also der Abschnitt zwischen Aufbereitung und Druckluftanwendung, wird oft nicht als wichtiges Glied in der Prozesskette wahrgenommen. Tatsächlich können in der Druckluftverteilung aber an mehreren Stellen unnötige Zusatzkosten in einer ganz erheblichen Größenordnung entstehen.
Einer europäischen Studie zufolge geht in 80 von 100 Betrieben mehr als die Hälfte der Druckluftenergie verloren, bevor sie zu den Verbrauchern gelangt. Positiv gewendet bedeutet dies, dass es also in der Verteilung noch bedeutende Potenziale gibt, die Kosten der Druckluftsysteme zu senken.

- Benennung der Leitungssegmente bei der Druckluftverteilung

- Energienutzen mit und ohne Wärmerückgewinnung
Um Druckluft im Betrieb in der erforderlichen Qualität bereitzustellen, muss in den verschiedenen Stationen von der Verdichtung eine erhebliche Menge Energie aufgewendet werden, fast ausschließlich in Form von Strom. Bei Anlagen mit wenigen Betriebsstunden machen die Stromkosten nur etwa 20 Prozent der Betriebskosten aus. Bei Anlagen, die rund um die Uhr laufen, können es bis zu 80 Prozent sein.
Die vielen Kilowattstunden elektrischer Energie, die der Verdichter aufnimmt, entsprechen bei weitem nicht der Arbeitsleistung der Luft, die am Ende vom Kompressor geliefert wird. Der theoretische Wirkungsgrad eines Verdichters kann zwar bei bis zu 50 Prozent liegen.
Über das ganze System von der Erzeugung bis zum Werkzeug wird aber meistens nur ein Gesamtwirkungsgrad von etwa fünf Prozent erreicht. Die restlichen 95% müssen jedoch nicht verloren sein: oft ist ein großer Teil der ursprünglich aufgewendeten Energie in Form von Wärme im Betrieb nutzbar.

Diverse Studien und Energieaudits kommen immer wieder zu dem gleichen Ergebnis: Die Optimierungspotenziale in alten Druckluftsystemen sind erheblich. Dies hat vielschichtige Gründe. Zum einen hat sich der technische Standard der verfügbaren Ausrüstung in diesem Bereich über die Jahre stark verbessert, zum anderen sind die meisten Anlagen durch jahrelangen „Wildwuchs“ weit vom Auslegungsoptimum entfernt.
Das Kernproblem ist jedoch oft die mangelnde Kostentransparenz.
Wenn die tatsächlichen Gesamtkosten der Druckluftnutzung weder den Endanwendern an den Arbeitsplätzen bekannt sind, noch im betrieblichen Controlling richtig abgebildet werden, ist der Anreiz für Optimierungsmaßnahmen gering. Daher sind organisatorische Maßnahmen, die dafür sorgen dass ein Kostenbewusstsein geschaffen wird und ein kontinuierliches Druckluft-Management stattfindet, mindestens ebenso wichtig wie Maßnahmen an den Anlagen selbst. Ohne diese Voraussetzung hätte eine technische Optimierung einen deutlich geringeren und möglicherweise nur kurzzeitigen Effekt.
Wer ein System bedienen oder optimieren möchte, sollte wissen, was in ihm geschieht. Messgeräte geben Aufschluss über aktuelle Zustands- und Prozessgrößen und in Zusammenarbeit mit Datenaufzeichnungsvorrichtungen oder Prozessleitsystemen auch über Trends, Abweichungen und das dynamische Zusammenspiel der Systemkomponenten. Die Signale aus der Messtechnik dienen als Feedback für Regelkreise.
Messsignale werden aber nicht nur für die Prozesssteuerung eingesetzt, sondern auch für die Überwachung, z. B. von:
- Filtern
- Dichtheit (Leckagen)
- Qualität
- Kompressorleistung
- Wirkungsgraden
Ausgewertet dienen die archivierten Messgrößen als Datengrundlage für Erweiterungen, Neuauslegungen und Optimierungen.
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